Hautkrebs im Stadium IIIB oder IV - bewährte und innovative Therapien

Hautkrebspatienten mit tastbaren Lymphknotenmetastasen oder mit Metastasen weit entfernt vom Primärtumor bedürfen unserer besonderen Sorgfalt und meist einer interdisziplinären Behandlung. Auch eine psychoonkologische oder seelsorgerliche Mitbetreuung wird angeboten.

Zentrale Ansprechpartner bleiben jedoch die onkologisch versierten Ärzte der Klinik für Dermatologie und Allergologie. Zunächst werden von hier aus umfassende Untersuchungen in der Röntgenabteilung und meist auch in der Klinik für Nuklearmedizin (z.B. Onko-PET) veranlasst, um einen genauen Überblick über das aktuelle Ausmaß des Metastasierungsgeschehens als Grundlage der Therapieplanung zu erhalten. Auch bestimmte Laborbefunde (z.B. sog. Tumormarker und LDH) geben oft wichtige zusätzliche Hinweise.

Beim malignen Melanom und auch bei anderen Malignomen sollte vorrangig mit den zuständigen Kooperationspartnern geklärt werden, ob alle Metastasen mit vertretbarem OP-Risiko vollständig entfernt werden können (sog. R0-Resektion). Meist eignet sich hierfür am besten die interdisziplinäre Tumorkonferenz, die dreimal wöchentlich (Mo, Mi, Do ab 15 Uhr) im Pathologiehörsaal des Zentralklinikums Augsburg stattfindet, und zu der auch die zuweisenden Ärzte eingeladen sind.

Selbstverständlich versuchen wir, in allen Phasen dieser Suche nach der optimalen Therapie auch den Patienten selbst mit seinen individuellen Präferenzen und Sorgen eng miteinzubinden. Er selbst muss schließlich auf unsere Empfehlungen hin eine Entscheidung fällen.

Ist eine R0-Resektion nicht realistisch erreichbar, kommen als Therapiealternativen die Strahlentherapie, Chemotherapien, innovative sog. „Biologic"-Therapien oder auch Kombinationen in Betracht. Speziell ist in dieser Situation auch immer zu klären, ob der Patient sich für eine aktuell laufende Therapiestudie eignet. So nehmen wir derzeit an einer internationalen Therapiestudie für Melanompatienten mit aktivierenden c-kit-Mutationen teil (sog. TEAM-Studie).

Für die beim Melanom sehr viel häufiger (ca. 50 %) feststellbare BRAF-V600-Mutation ist bereits ein zugelassenes Medikament in Tablettenform im Handel (Zelboraf R), das seine Wirksamkeit in schon abschlossenen Studien zeigen konnte. Allerdings wird auch für diese Patienten nach noch besseren, v.a. länger wirksamen und nebenwirkungsärmeren Therapieoptionen gesucht. An einer internationalen Kombinationstherapiestudie mit zwei verschiedenen Medikamenten in Tablettenform (Dabrafenib und Trametinib) werden wir uns bei vielversprechenden Vorergebnissen aktiv beteiligen. Der Start hierzu steht unmittelbar bevor.

Auch einer dritten Gruppe unserer Patienten mit fortgeschritten metastasierten Melanomen, jenen etwa 20 % mit aktivierenden NRAS-Mutationen, werden wir bald eine innovative Therapiestudie mit dem MEK-Inhibitor Pimasertib (im Vergleich zur Standard-DTIC-Therapie) anbieten können.

Im Nachschluss an eine erfolgreich abgeschlossene Therapiestudie mit Ipilimumab, einem immunverstärkenden Antikörper in Infusionsform, steht uns dieser erstmals erwiesenermaßen überlebensverlängernde Wirkstoff unter dem Handelsnamen Yervoy R für alle Patienten mit inoperablen Stadium-III- oder Stadium-IV-Melanomen zur Verfügung, bei denen bereits eine andere Erstlinientherapie versucht worden ist und bei denen keine Gründe gegen die Anwendung dieses „Immunverstärkers“ bestehen. Weitere immunverstärkende Therapeutika (sog. PD1-Antikörper) werden voraussichtlich künftigen Hautmalignompatienten wiederum zunächst in Form sorgfältig kontrollierter Studien zugänglich werden.

Die Sicherheit für unsere Patienten ist uns bei der Auswahl der jeweiligen Studien für unser Zentrum ein entscheidendes Kriterium. Für viele der neuen Therapien sind zudem sorgfältig durchgeführte Mutationsanalysen an ausgewählten Tumorproben die absolute Voraussetzung für den Behandlungserfolg. Hier sind wir für die erstklassige, in Ringversuchen zertifizierte Arbeit im Molekularpathologischen Labor von Herrn Dr. Christian Haas sehr dankbar.

Einige Leitlinien zu Melanomen finden Sie in unserer Patientenbroschüre

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