Interferon-alpha-Therapie

Selbst wenn durch die genannten operativen Maßnahmen ein Zustand erreicht wird, der auch mit modernsten Untersuchungsmethoden keine Melanomresiduen nachweisen lässt, kann je nach Ausgangssituation das Metastasierungsrisiko für den weiteren Verlauf nicht ausgeschlossen werden. In dieser sog. adjuvanten Therapiesituation gilt es abzuwägen, ob dieses Risiko medikamentös gesenkt werden kann, und ob diesem Vorteil gegenüber die Therapierisiken und -nebenwirkungen geringer einzuschätzen sind.

Sehr viele adjuvante Therapiestudien erfolgten für unterschiedliche Melanompatienten-gruppen in diversen Dosierungsschemata und über verschieden lange Zeiträume mit Interferon-alpha-2a und Interferon-alpha-2b, die sich untereinander nur durch eine Aminosäure unterscheiden und als wirkgleich anzusehen sind.

Eine Meta-Analyse der Interferon-Studien ergab einen signifikanten Therapievorteil für das rückfallfreie und Gesamtüberleben, allerdings nur um 3-5 %. Eine eindeutige Dosisabhängigkeit dieses Effekts ließ sich nicht ableiten, wohingegen die Nebenwirkungen von Interferon-alpha durchaus z.T. dosisabhängig sind.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Interferon-alpha sind grippeartige Beschwerden v.a. in den ersten Behandlungswochen, ein meist über die gesamte Behandlungszeit und manchmal darüber hinaus anhaltendes „Fatigue-Syndrom", gekennzeichnet durch Müdigkeit und geringerer Belastbarkeit, ferner Depressionsneigung sowie Blutbildveränderungen.

Lebensbedrohliche Medikamenteneffekte sind selten, aber v.a. in der Hochdosis nicht auszuschließen. In einigen Leitlinien wird für das Stadium III des malignen Melanoms nach R0-Resektion aller lymphogenen Metastasen dennoch die sog. Hochdosis-Interferon-alpha-2b-Therapie empfohlen.

Wir selbst favorisieren gemeinsam mit vielen anderen europäischen Hautkrebszentren die niedrig dosierte Interferontherapie (3x3 Mio. E. s.c./Woche) über 18 Monate für Hochrisikomelanompatienten. In diese Kategorie fallen in der Ära der SLNE keineswegs alle Stadium-III-Patienten. Z.B. ist die Prognose für einen Patienten mit einem Primärmelanom der Tumordicke 0,8 mm und einem SI-Befall des SLN auch ohne Interferontherapie hervorragend, nicht dagegen die eines anderen mit einem 7 mm dicken, Melanoms ohne SLN-Befall. Als Orientierungshilfe dient uns der sog. TUSSI-Score, wobei Werte über 3 die Indikation zur Interferontherapie unterstützen.

Freilich muss auch bei einer niedrigdosierten Interferongabe stets das Medikamentenrisiko für den Patienten in seiner individuellen Lebenssituation und Konstitution miterwogen und ihm verständlich erläutert werden, so dass die Entscheidung für oder gegen diese adjuvante Maßnahme möglichst vom mündigen Patienten selbst zu treffen ist.

Interferon-alpha wird ebenfalls als dreimal wöchentliche subkutane Injektion auch bei dem häufigsten Lymphom der Haut, der sog. Mycosis fungoides, eingesetzt, typischerweise in Kombination mit einer UV-Therapie. Die Interferondosis wird dabei abhängig von der Verträglichkeit von anfangs 3x3 Mio Einheiten/Woche auf bis zu 3x9 Mio Einheiten/Woche gesteigert.

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