Früherkennung und Nachsorge

Früherkennung

Der Erfolg der Hautkrebstherapie hängt vorrangig von der Früherkennung ab. Ganz besonders gilt diese Aussage für das maligne Melanom, den „schwarzen Hautkrebs". Er kann bei einer Tiefenausdehnung von maximal 0,75 mm zu fast 100 % durch eine relativ kleine Operation geheilt werden, während er in fortgeschrittenen Metastasierungsstadien leider auch heute noch meist tödlich endet und einer Heilung kaum noch zugänglich ist.

Die Sensibilisierung möglichst vieler Menschen in Laienveranstaltungen z.B. der Volkshochschulen und die Schulung zahlreicher Ärzte auch anderer Fächer sind uns daher gleichermaßen wichtige Anliegen.

An der Klinik für Dermatologie und Allergologie stehen uns zur Früherkennung der verschiedenen Hautkrebsformen neben einfachen Hilfsmitteln wie etwa dem Handdermatoskop auch modernste Instrumentarien zur Verfügung, deren Einsatz bisher leider nur in Ausnahmefällen von den gesetzlichen Kassen übernommen wird.

Paradebeispiel ist das konfokale Lasermikroskop, mit dem oberflächennahe Anteile eines Hauttumors ohne Operation und Strahlenbelastung mikroskopisch genau dargestellt und digital gespeichert werden kann, so dass sich das Verfahren ideal auch für Verlaufskontrollen eignet.

Der Verbesserung der Früherkennung von Melanomen in der Abgrenzung zu gutartigen Muttermalen dient auch eine internationale Studie, die Impedanzmessungen an Pigmentmalen als Differentialdiagnostikum etablieren möchte, und an der sich unsere Klinik ebenso wie an der vor Kurzem beendeten Vorläuferstudie beteiligt.

Im Falle eines Melanoms kann dessen Eindringtiefe durch die 20 MHz-Sonographie geschätzt werden, was die stadiengerechte Operationsplanung in Zusammenhang mit weiteren Ultraschalluntersuchungen der Lymphknoten und der Bauchorgane sowie eine Röntgenuntersuchung der Lunge optimal unterstützt.

Früherkennung im erweiterten Sinn ist auch das Ziel der Sentinel-Lymphonodektomie (s.o.). Nur mit dieser Technik kann ohne größeren Kollateralschaden ein Lymphknotenbefall bereits im Mikrometastasenstadium erkannt und zugleich beseitigt werden.

Die Früherkennung der verschiedenen Formen des weißen Hautkrebses (Basalzellkarzinom und spinozelluläres Karzinom) und seiner Vorstufen (aktinische Keratose, Morbus Bowen) gelingt einem erfahrenen Hautarzt meist klinisch, wobei in Zweifelsfällen die o.g. Hilfsmittel und Instrumente durchaus entscheidend unterstützen können. Bei geringer Eindringtiefe von weißem Hautkrebs kann dem Träger oft auch ohne Skalpell wirkungsvoll geholfen werden.

Durch Auftragen einer Delta-Aminolävulinsäure-ähnlichen Substanz auf die betroffene Haut wird reichlich Porphyrin in den Tumorzellen gebildet, welches nach Bestrahlung mit sichtbarem Licht geeigneter Frequenzbereiche zum akuten Zelltod führt. Diese „Photodynamische Therapie" beseitigt so elegant auch bei sog. Feldkanzerisierung der Haut die bereits entarteten Zellen und schont die Mehrzahl der ruhenden Hautzellen. Eine oder zwei Wiederholungen der recht schmerzhaften Behandlungszyklen im Abstand von einigen Wochen sind aber zur Erzielung eines vollständigen Erfolges oft erforderlich.

Alternativ kann ein gleich guter Therapieerfolg durch Cremen mit Imiquimod über mehrere Wochen erzielt werden. Über sog. Toll-like-Rezeptoren werden so gezielt gegen Hautkrebszellen lokale Immunabwehrvorgänge mobilisiert, die unter entsprechend ausgeprägten Lokalentzündungen zum Abheilen früher Hautkrebsformen führen. Beide genannte Therapien sind ambulant durchführbar.

Eine weitere gute Alternative für die Therapie kleinflächiger aktinischer Keratosen ist die CO2-Lasertherapie.

Nachsorge

Nachsorge klingt prima vista wie ein Gegensatz zu Früherkennung. Gemeint ist die regelmäßige Untersuchung von Patienten nach Beseitigung eines Hautkrebses mit dem primären Ziel, ein Wiederwachsen des Tumors am Ursprungsort (sog. Lokalrezidiv) oder auch Metastasen entlang der Lymphwege oder in inneren Organen möglichst frühzeitig zu erkennen und stadiengerecht therapeutisch reagieren zu können.

Besonders wichtig ist die regelmäßige Nachsorge bei Melanompatienten mit Mikrobefall des Wächterlymphknotens. Vierteljährlich werden über 5 Jahre v.a. die verbliebenen Lymphknoten der betroffenen und angrenzender Regionen mit Ultraschalltechnik untersucht, um potentielle neue Metastasen schon bei etwa 5 mm Durchmesser feststellen zu können. Danach vergrößern sich die Zeitintervalle auf ein halbes Jahr für die zweiten 5 Jahre nach Erstdiagnose.

Im Falle eines Merkelzellkarzinoms werden gar initial noch kürzere Zeitabstände (6 Wochen) empfohlen.

Darüber hinaus dient die Nachsorge immer aber auch der Untersuchung des übrigen Hautorgans auf mögliche Zweittumore und verfolgt somit bei dieser Risikopatientengruppe durchaus auch den Früherkennungsgedanken im engeren Sinn. Angesichts der stark angewachsenen Zahl an Melanompatienten vereinbarten wir mit den niedergelassenen Hautarztkollegen, dass die leitliniengerechte Nachsorge von Patienten ohne bisherige Metastasen und ohne Wächterlymphknotenbefall (S0) unter deren Regie erfolgt.

Im Zweifelsfall steht das Hauttumorzentrum aber stets für Rückfragen oder die kurzfristige Vorstellung unserer gemeinsamen Patienten bereit. Auch erfolgt mindestens einmal jährlich eine Rückmeldung an das Hauttumorzentrum. Umgekehrt werden die niedergelassenen Kollegen selbstverständlich zeitnah über unsere Nachsorgebefunde bei den Patienten in höheren Melanomstadien.

Im Arztbrief wird nach der jeweiligen Erstversorgung rezidiv- oder metastasengefährdeter Hauttumore auf die Nachsorgeempfehlungen ausdrücklich hingewiesen. Gleiches gilt für das Abschlussgespräch mit unseren Patienten vor deren Entlassung.

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