Informationen für Kinder, Jugendliche und Eltern

Schmerzen sind ein Ausdruck natürlicher Schutzmechanismen. Meist liegt eine Verletzung oder Entzündung zu Grunde. Manchmal findet sich auch keine organische Ursache. Dauer der Schmerz über den Heilungsprozess hinaus an oder kommt immer wieder, so spricht man von chronischem Schmerz. Die Schmerzempfindung hat sich verselbständigt und ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entwickelt , obwohl keine Ursache mehr vorhanden ist. Dieses wird durch körperliche, psychologische und soziale Faktoren wechselseitig beeinflusst. Daher erfolgt die Therapie in unserem Zentrum multimodale durch ein interdisziplinäres Team.

Kommt es durch die chronischen Schmerzen zu einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität, wird eine stationäre Behandlung empfohlen.

In Deutschland sind ca. 200.000 bis 350.000 Kinder und Jugendliche davon betroffen. Du bist also nicht allein.

Treten Schmerzen sehr oft und/oder stark auf, kann es sein, dass Du:

  • dem Unterricht nicht mehr folgen kannst
  • die Schule oft nicht mehr besuchst oder früher nach Hause gehen musst
  • viele Medikamente benötigst
  • gereizt, lustlos und/oder unmotiviert bist
  • den Kontakt zu Deinen Freunden einschränkst
  • in Deiner Freizeitgestaltung beeinträchtigt wirst
  • und Dein Familienleben dadurch leidet.

Findest Du Dich in einigen Punkten wieder? Im Folgenden findest Du ein paar Erfahrungsberichte von unseren Patienten. Sie sollen dir Mut machen, dass man etwas gegen chronische Schmerzen unternehmen kann.

Erfahrungsberichte unserer Patientinnen Melina, Janet und Alberta

Melina

Hallo,

ich bin Melina , 17 Jahre alt und war hier auf der Schmerzstation die „Gipfelstürmer“, für fünf Wochen. Mir hat es richtig gut gefallen und es hat auf jeden Fall etwas gebracht. Ich habe (hatte) Bauchschmerzen seit ich ungefähr 9 Jahre alt war. Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt und keiner hat herausgefunden was ich habe oder warum ich die Bauchschmerzen habe. Im April wurde ich auf die Schmerztherapie aufmerksam und habe nach einem Gespräch mit Frau Ahnert überlegt die Schmerztherapie zu machen. Frau Ahnert ist hier die Ärztin und erklärt einem verständlich was chronische Schmerzen sind, wie Schmerz entsteht,  wie man den Schmerz verlernen kann usw. eigentlich alles über den Schmerz. Man hat in dem Aufenthalt einmal in der Woche ein Arztgespräch und viele verschiedene Therapien z.B. Ergo-, Physio-, Musik-, Kunst- und Psychotherapie, Sport…..

Bei der Psychotherapie wird besprochen wie es einem  geht, wir lernen Ablenkungsstrategien um sich richtig ablenken zu können. Und ich sage euch, wenn man sich ablenkt bei starken Schmerzen hilft wirklich. Wir waren einmal in der Woche im Bewegungsbad, hier wird Sport im Wasser gemacht. Mittwoch ist immer Walking, dass macht viel Spaß.  Freitag haben wir Sport, hier trainieren wir z.B. an den Geräten. Ich könnte noch gaaaaanz viel schreiben.

Ich sage euch, dass es ganz viel bringt. Ich habe hier gelernt, besser mit den Schmerzen umgehen zu können. Bevor ich hier her gekommen bin hatte ich fast kein Selbstbewusstsein, jetzt gehe ich hier als selbstbewusstes Mädchen raus. Man lernt hier so viel und das ist Mega gut. Ihr denkt bestimmt oh Gott fünf Wochen, so lange! Das hab ich mir auch gedacht. Aber eins kann ich euch sagen, die Wochen gehen wie im Flug vorbei. Die Zeit hier vergeht so schnell, dass ihr am Ende am liebsten noch paar Wochen länger bleiben wollt. Das ist eine unvergessliche Zeit. Ich wünsche euch, dass ihr die Zeit hier genießen könnt und lernt besser mit dem Schmerz umzugehen.

Alles Gute eure Melina

Janet

Halli Hallo,

ich bin Janet und 18 Jahre alt. Im November 2015 war ich für einen Monat Patientin des Kinderschmerzzentrums „Gipfelstürmer“. Dort war ich in Behandlung, weil ich seit einem Unfall unter chronischen Spannungskopfschmerzen leide. Ich wusste mit meinen Dauerkopfschmerzen nicht umzugehen. Die Hoffnung auf Schmerzfreiheit hatte ich aufgegeben.

Auf der Station fühlte ich mich von Anfang an willkommen und ernstgenommen. Die Therapie baut auf verschiedene Teiltherapien auf. In den Arztgesprächen erklärt Dir die Ärztin Frau Ahnert die Entstehung der Schmerzen. Die Psychologengespräche behandeln Deine momentane Situation – hier wirst Du Deine Vergangenheit, Schulsituation, … aufarbeiten können und Ablenkungstechniken erlernen. In der Physio und Ergo bewegst Du Dich teils in Einzel oft aber auch in der Gruppentherapie. So gehört das Bewegungsbad und das Walken zum festen Bestandteil des Wochenplans. KBT ist die Abkürzung für die „Konzentrative Bewegungstherapie“ – hier wird sowohl mit Deinem Körper als auch mit Deiner Psyche gearbeitet. Und dann gibt es noch die Kunst- und Musiktherapie, in denen Du einfach mal kreativ werden darfst ;). Das, was ich am meisten geschätzt habe, waren die langen und ausführlichen Gespräche mit dem Gipfelstürmer-Team. Daraus habe Mut fassen können neu ins Leben durchzustarten. So verwirkliche ich meinen Traum und bin seit März 2016 für einige Monate im Ausland. Meine Schmerzen werden immer schwächer; sie haben mich nicht mehr in der Hand, sondern ich sie.

Ich möchte Dir echt Mut machen, die Schmerztherapie anzutreten. Du hast nichts zu verlieren!!! Und wie sagt man so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Dir wünsche ich alles Gute - Du schaffst das :)

Alberta

Hallo,

„Mein Name ist Alberta, ich bin 16 Jahre alt und leide an einem Dauerkopfschmerz.“ - Das war so ziemlich der häufigste Satz 2015!

Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt, habe mehrere Krankenhausaufenthalte hinter mir, wurde komplett durchgecheckt und es wurde nichts gefunden, also wurde mir gesagt ich hätte Migräne, solle mich ausruhen und Tabletten einnehmen, damit war das für die Ärzte vom Tisch. Ich lag teilweise 3 Wochen am Stück komplett flach, mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Seh- und Schlafstörungen, Schwindel und war total verzweifelt.

Meine Beschwerden hatten mich total im Griff und ich konnte nichts mehr machen, ich blieb recht lang optimistisch, aber irgendwann wusste ich einfach nicht mehr weiter. Es kam der Punkt, an dem ich keine Hoffnung mehr sah.

Aber dann kamen wir auf die Idee eines stationären Aufenthalts und suchten nach einer passenden Klinik, riefen dann im Kinderschmerzzentrum Augsburg an und bekamen einen Termin. Einige Wochen später war ich Patient bei den“Gipfelstürmern“ und ich muss echt sagen, dass es super viel geholfen hat!
Zum ersten mal fühlte ich mich ernst genommen. Bei Arztgesprächen lernte ich, was Schmerz ist, wie mein Körper darauf reagiert und was bei der Bekämpfung hilft. Hier setzen sie mit einem multimodalen Therapiekonzept an, es gibt also zahlreiche Therapien, wie Ergo-, Musik-, Kunst- und  Phsyio-. Außerdem Biofeedback, KBT, und Psychologengespräche. Aber was auch sehr viel ausmacht, sind die anderen Patienten! Sie verstehen genau, wie es dir ergeht, egal in welcher Situation auch immer. Es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass man nicht alleine ist und zusammen kämpft. Schon nach einigen Tagen kommt es einem so vor, als würde man sich schon ewig kennen und findet tolle Freunde.
Sehr gefallen haben mir auch die sportlichen Aktivitäten, wie Nordicwalking, Sportgruppe und besonders das Bewegungsbad bringt sehr viel Spaß!
Was mir sehr viel bedeutet ist, mit welch einem Engagement alle an die Sache ran gehen, du kannst immer das Gespräch suchen und es wird sich Zeit für dich genommen, ich fühlte mich gut aufgehoben und sehr wohl. In vielen Momenten konnte ich sogar vergessen, wieso ich überhaupt da war.
Die Zeit ging sehr schnell um und ich bin richtig froh, dass mir dieser Aufenthalt ermöglicht worden ist, denn jetzt bestimme ICH mein Leben, kann tun und lassen was ich will und lasse mich nicht von Schmerzen aufhalten!

Auch wenn ich noch nicht am Ziel angekommen bin, geht es jetzt immer weiter bergauf und wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja bald schon auf dem Gipfel! Alles Gute :-)

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