Neuer Anästhesie-Chef läuft zur Entspannung gerne an Lech und Wertach

Prof. Dr. Axel R. Heller ist zugleich Lehrstuhlinhaber und beginnt bereits mit dem Aufbau seines Stabes für Forschung und Lehre am künftigen Universitätsklinikum

Augsburg (ilm) – Veränderung kennt keine Anhänger, heißt es. Für Prof. Dr. Axel R. Heller gilt das nicht. Das jüngste Abenteuer, das er gerade besteht: Er lebt mit seinem 19-jährigen Sohn in einer Wohngemeinschaft in Augsburg. Doch auch die ist nur vorübergehend. Mittelfristig wird Hellers Frau, derzeit noch Palliativmedizinerin an der Technischen Universität (TU) Dresden, auch nach Augsburg übersiedeln. Hierher hat es den neuen Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Klinikum Augsburg vor wenigen Wochen verschlagen. Die Vertragsunterzeichnung fand im Sommer statt. Nach Gründungsdekanin Prof. Dr. Martina Kadmon ist Heller der 2. Lehrstuhlinhaber der jungen Medizinischen Fakultät Augsburg. Analog zu seiner Klinik hat Heller den Lehrstuhl für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin inne. Doch während Kadmon für den Aufbau der Medizinischen Fakultät von ihrem Lehrstuhl beurlaubt ist, fängt Heller bereits an, sich seinen Stab für Forschung und Lehre im künftigen Universitätsklinikum Augsburg aufzubauen.

Im Aufbau hat der 49-Jjährige, der in Gießen geboren und in einem Handwerksbetrieb aufgewachsen ist, Erfahrung. Dabei hat es dem dreifachen Familienvater vor allem die klinische Forschung angetan – beste Voraussetzung für seine künftige Tätigkeit in Augsburg. In Mannheim, wo Heller seine ersten Jahre als junger Mediziner verbrachte, half er mit, die Ursachen des akuten Lungenversagens und von Blutvergiftungen zu erforschen sowie Therapieformen experimentell zu entwickeln und später in die Klinik einzuführen. „Der Engländer sagt zu dieser Art der Forschung ‚from bench to bedside‘“, erklärt Heller. Im Deutschen bedeute das, der Patient profitiere direkt von neuesten Forschungsergebnissen und Therapieansätzen – also translationale Medizin, wie sie am künftigen Universitätsklinikum Augsburg im gerade entstehenden Zentrum für Integrierte Translationale Forschung (ZeIT) verankert sein wird.

Nach Mannheim trieb Heller den Aufbau der experimentellen und klinischen Forschung knapp 20 Jahren lang an der TU Dresden erfolgreich voran. „Augsburg ist also mein dritter Standort, an dem ich mich dieser Herausforderung – hier allerdings in leitender Position – stelle“, sagt Heller, dem die Neugier auf verschiedene Krankheitsbilder „wohl in die Wiege gelegt“ wurde, wie er selbst vermutet. Die Liebe zur Forschung begann jedoch mit seiner Doktorarbeit. „Experimentelle Forschung hat so gar nichts mit dem Elfenbeinturm zu tun“, sagt der Anästhesist und Intensivmediziner. „Sie brauchen den Patienten dazu, und der Patient braucht Sie.“ Dabei bedeute gute Forschung für Heller nichts anderes, als wichtige Fragestellungen aus der Klinik in ein experimentelles Modell zu übersetzen, um die im Modell gefundenen Lösungen (oder Therapien) dann zurück in die Klinik, also wieder ans Krankenbett, zu bringen. „Das geht nie ohne den Menschen.“

Heller kennt Augsburg zwar noch nicht besonders gut, war aber vor zehn Jahren schon einmal hier, auf Einladung seines Vorgängers Prof. Dr. Helmuth Forst. „In meinem Vortrag damals ging es um Probleme des Verdauungstraktes bei Patienten auf Intensivstationen. In Deutschland gibt es knapp 40 Lehrstühle für Anästhesiologie. Nur wenige davon bieten die Operative Intensivmedizin nicht mit an“, erklärt er. Eine Basis, auf der er selbst nicht arbeiten möchte. Für Heller gehören die beiden Disziplinen untrennbar zusammen. „Wir Anästhesisten verstehen uns als diejenigen, die unseren Partnern, den Chirurgen, beste Voraussetzungen für die Operation und die Nachsorge bieten, heißt, einen stabilen Patienten. Sollte es dennoch zu Komplikationen kommen, haben wir die Überwachungsmonitore im Blick und stellen die Notfallmaßnahmen in Teamarbeit mit den Operateuren und unseren Pflegenden sicher“.

Warum er sich für Augsburg entschieden hat? „Ich mag Herausforderungen. Und die Umwandlung eines Hauses in ein Universitätsklinikum zu begleiten und die entsprechenden Strukturen aufzubauen, ist eine“, sagt Heller. Was so manchem Kollegen Sorgen bereitet, nämlich Forschung und Lehre neben der Krankenversorgung sicher zu stellen, sieht er gelassen. „Die Personalentwicklung ergibt sich nicht von heute auf morgen. Wir müssen hier in Dekaden denken, aber letztlich wird sich diese Drei-Teilung zu einem Kontinuum entwickeln.“

Auch er selbst sei bereits dabei, sich sein Team für Forschung und Lehre aufzubauen. Aus Dresden bringt er dafür reichlich Erfahrung und zwei hochmotivierte Kollegen mit. Aus den Erfahrungen in der sächsischen Landeshauptstadt weiß Heller daher auch, „dass Mitarbeiter für Forschung und Lehre on top zur Verfügung stehen. Das ist in Augsburg auch nicht anders, zumal es sich bei der Anästhesiologie um ein wachsendes Fach handelt.“ Aufgrund zunehmenden Alters der Menschen werde somit die Nachfrage nach intensivmedizinischen Leistungen wachsen.

Und wie entspannt ein Chefarzt und Lehrstuhlinhaber am Abend? Hellers Tipp dazu: Der Job sollte auch Hobby sein. „Anders geht es nicht. Ansonsten laufe ich gern, auch schon mal einen Halbmarathon.“ Reiche die Zeit dazu nicht aus, geht er an den Lech oder die Wertach.

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