Entlastung für die Pflege - gemeinsame Unterzeichnung des Vertrages zwischen Klinikum und ver.di

Lange wurde verhandelt; nun gibt es eine Vereinbarung zwischen dem Klinikum Augsburg und der Gewerkschaft ver.di, die Maßnahmen zur Entlastung der Pflege sicherstellt. Vorstandsvorsitzender Schmidtke lobt den Vertrag, Pflege-Vorständin Arnold nennt die größten Herausforderungen und Personalratsvorsitzende Nieberle sieht in der Vereinbarung den „großen Wurf“.

Augsburg (ilm) – Es wurde eng im gar nicht so kleinen Besprechungsraum 020 im Erdgeschoss des Klinikums, als sich Vorstand und ver.di-Gewerkschaftsvertreter zur gemeinsamen Vertragsunterzeichnung setzten. Zirka zehn Millionen Euro werde die Vereinbarung kosten, schätzt Vorstandsvorsitzender und Vorstand Finanzen und Strategie, Alexander Schmidtke, und betonte gleichzeitig, die Vereinbarung sei „sehr, sehr vernünftig. Sie wertet den Pflegeberuf auf und macht ihn wieder attraktiver.“ Um die Versorgungsqualität aufrechterhalten zu können, brauche man zusätzliche Pflegekräfte. Könnten Stellen jedoch nicht besetzt werden, müssten – auch das regelt die Vereinbarung – Betten „vom Netz genommen“ werden, um das Ganze auch wirtschaftlich gestalten zu können. Im schlimmsten Fall könnten Patienten nicht behandelt werden – „ein Spagat“. Eine Maßnahme der Politik sei, das hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei seinem Besuch im Klinikum im Oktober diesen Jahres signalisiert, dass jede zusätzliche Pflegestelle nächstes Jahr gegenfinanziert würde. Schmidtke betonte auch: „Vieles von dem, was wir jetzt schriftlich fixiert haben, haben wir schon umgesetzt.“

Pflege-Vorständin Susanne Arnold, die die Verhandlungen von Klinikumsseite federführend mitgestaltet hatte, wies auf die besonderen Herausforderungen wie die Stellenbesetzung bei Pflegeberufen hin. Die Suche im Ausland könne nur ein Standbein sein. Ein wichtiges Anliegen, dass Arnold immer wieder vertritt, sei die inhaltliche Neugestaltung des Pflegeberufes. In anderen Ländern hätten Pflegende mehr Kompetenzen und Verantwortung beispielswiese bei der Wundversorgung oder Heilmittelverordnung. „Da sind uns andere weit voraus.“ Personalratsvorsitzende Eva Nieberle sprach in Bezug auf die Vereinbarung von einem „großen Wurf, der da gelungen ist“. Als einen der wichtigsten Punkte nennt sie das Konsequenzenmanagement, das sicherstelle, dass Betten geschlossen werden müssten, wenn Stellen nicht ausreichend besetzt seien. Priv.Doz. Dr. Markus Wehler, stellvertretender Ärztlicher Vorstand und Chef der Notaufnahme, lobte die Vereinbarung ebenfalls und wies im Hinblick auf die Regelungen auf die Patientensicherheit hin, die sie garantierten.

Die wichtigsten Punkte:

  • In der am 1. Dezember in Kraft tretenden Vereinbarung wird eine Regelbesetzung im Pflegedienst vereinbart.
  • In den nächsten zwei Jahren werden 100 zusätzliche Stellen in der Pflege geschaffen.
  • Bei Unterschreitung der Soll-Besetzung wird ein Konsequenzen-Management nachhaltig umgesetzt.
  • Auszubildende sind durch die Unterzeichnung auf die Soll- und Regel-Besetzungen nicht mit anzurechnen. Im Rahmen des zu überarbeiteten Konzeptes der praktischen Ausbildung werden die Schüler von Praxisanleitern auf den Stationen individuell betreut.
  • Ab dem 1. April 2019 wird bei Unterschreitung der Regelbesetzung nach sieben Schichten ein individueller Belastungsausgleich fällig.

Bildunterschrift | Was sehen Sie im Bild?

Die Unterzeichner des Vertrages (von links:) Vorstandsvorsitzender Alexander Schmidtke, Pflege-Vorständin Susanne Arnold (beide Klinikum Augsburg), Landesbezirksleiterin Luise Klemens (ver.di). Nicht im Bild sind folgende Unterzeichner: Privatdozent Dr. Markus Wehler, Stellv. Ärztlicher Vorstand und Chefarzt der IV. Medizinischen Klinik und der Notaufnahme (Klinikum Augsburg), Landesbezirksfachbereichsleiter Robert Hinke (ver.di), Stefan Jagel, Gewerkschaftssekretär (ver.di)

 

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