Innovative Behandlung von Hirngefäßaussackungen durch das Gefäßsystem

Hirngefäßaussackungen findet man bei bis zu 5% der Erwachsenen, das sind 1.6 Mio. Menschen in Deutschland. Reißt dieses Aneurysma, so kommt es zu einer Hirnblutung, die jährlich bei 8-9 pro 100 000 Personen auftreten und bei 30-40% der Betroffenen unmittelbar zum Tod führt.

Am Klinikum wurden in den letzten drei Jahren 334 Aneurysmen endovaskulär, also über die Schlagader therapiert. Am häufigsten werden die Aneurysmen mit Platinspiralen von innen ausgestopft. Die Prozedur kann durch Gefäßendoprothesen (Stents) oder Ballons zum Remodellieren der Gefäße unterstützt werden. Die aktuell innovativste Methode ist die Behandlung von z.B. inoperablen Riesenaneurysmen mit Flußbegradigern (Flow Divertern). Dies sind spezielle Stents, die meist ohne Platinspiralen eingesetzt werden. Bislang werden diese Systeme nur bei ganz speziellen Aneurysmen eingesetzt. Am Klinikum sind davon 8% der zu behandelnden Patienten betroffen. Die Flow Diverter werden dann eingesetzt, wenn mit herkömmlichen Methoden eine wesentlich höhere Komplikationsrate im Hinblick auf die Entwicklung eines Schlaganfalls bis hin zum Tod zu erwarten ist.

Diese Erfahrungen aus Augsburg sind durch Ergebnisse in jüngst publizierten wissenschaftlichen Arbeiten bestätigt worden und zeigen, dass die Sterblichkeit im Rahmen der Behandlung bei 1.3% und das Risiko einen Schlaganfall zu entwickeln bei 5.3% liegt. Die Erfolg versprechenden Ergebnisse sind trotzdem kritisch zu bewerten, da erst weitere Erfahrungen notwendig sind, damit diese Methode auch gerechtfertigt bei den Aneurysmen angewendet wird, die bislang erfolgreich und mit noch geringeren Komplikationsraten mit herkömmlichen Methoden behandeln wurden. Am Klinikum wird erst nach einer umfänglichen Beurteilung des Einzelfalls und nach einem umfassenden Aufklärungsgespräch mit dem Betroffenen über Chancen und Risiken der verschiedenen Methoden entschieden, mit welcher Methode das jeweilige Aneurysma zu behandeln ist.

Ob Flow Diverter künftig verstärkt auch bei anderen Aneurysmen zum Einsatz kommen, wird die wachsende Erfahrung in der Ärzteschaft zeigen. Es ist eine sehr neue Methode, und deshalb muss man im Moment sehr genau abwägen, für welche Patienten man diese Methode einsetzt. Im Moment wird die Behandlungsweise bei Patienten eingesetzt, die nach sorgfältiger und gründlicher Abwägung mit keiner anderen Methode erfolgreich und dauerhaft behandelt werden können.

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