Aktuelle Pressemitteilungen des Klinikums Augsburg


31.08.2012

Kein Gläschen in Ehren!

Alkohol während der Schwangerschaft birgt Risiken

Augsburg (lp) – Alkohol in der Schwangerschaft kann dem ungeborenen Kind schaden. Trotzdem trinken viele der Schwangeren weiterhin Bier oder Wein. Dr. Wilfried Schenk, leitender Oberarzt der II. Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum Augsburg, rät zu vollständiger Abstinenz. Noch immer unterschätzen viele werdende Mütter die Auswirkungen von Alkohol auf das Kind. Schätzungen zufolge werden in Deutschland jährlich 2.500 bis 4.000 Kinder geboren, die Schäden durch den Alkoholkonsum ihrer Mütter davontragen. Das könnte zu 100 Prozent verhindert werden. Der Tag des alkoholgeschädigten Kindes wurde von einer Initiative der FASWorld ins Leben gerufen und soll auf die schwerwiegenden Konsequenzen von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft aufmerksam machen. Er findet jedes Jahr am 9. September statt. Durch Aufklärung über die Gefahren sollen Frauen dabei unterstützt werden, auf Alkohol während der Schwangerschaft zu verzichten.

Dr. Wilfried Schenk, Leitender Oberarzt II. Klinik für Kinder und JugendlicheDas Problem: Wenn eine schwangere Frau Alkohol trinkt, trinkt das Kind mit. Da Alkohol wasserlöslich ist, gerät er über die Blutbahn zum Fötus. Innerhalb kurzer Zeit haben Mutter und Kind denselben Alkoholpegel. Die Leber des ungeborenen Kindes kann den Alkohol jedoch nicht abbauen. Äußerlich sichtbare Fehlentwicklungen, wie etwa Minderwuchs, ein geringer Kopfumfang, tief sitzende Ohren und eine breite Nase können die Folge sein. Auch innere Fehlbildungen, wie Herzfehler, Nieren- und Genitalfehlbildungen treten auf. Häufiger kommt es jedoch zu geistigen Behinderungen, die Verhalten, Intelligenz und neurologische Störungen betreffen, wie erhöhte Aggressivität, Distanzlosigkeit, Störungen der Feinmotorik, Sprachstörungen oder Koordinationsschwierigkeiten. Hier sind die Kinder zwar äußerlich gesund, doch ihr zentrales Nervensystem ist geschädigt. „Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) ist die häufigste geistige und/oder körperliche Fehlentwicklung bei Neugeborenen, die nicht genetisch bedingt ist“, sagt Dr. Schenk.

Bisher gibt es keinen sicheren Grenzwert für einen ungefährlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft. Generell gilt jedoch: „Je mehr eine Schwangere trinkt, umso höher ist die Gefahr, dass schwerwiegende Folgen entstehen“, betont Dr. Schenk.  Alkoholkonsum ist oft Gewohnheit und Teil des sozialen Lebens. Während der Schwangerschaft sollten daher bewusst Alternativen gefunden werden, denn Heilung gibt es für die betroffenen Kinder nicht. Aufklärung und Prävention sind daher besonders wichtig, um in der Gesellschaft ein Bewusstsein zu schaffen, dass Alkohol auch in geringen Mengen schädigend sein kann. Durch eine gesellschaftliche Akzeptanz ist es für die Frauen leichter, in der Schwangerschaft und Stillzeit auf Alkohol zu verzichten.

Für betroffene Kinder gibt es gute Therapie- und Betreuungsmöglichkeiten. Dazu ist eine möglichst frühe Diagnosestellung entscheidend. Durch eine Verbesserung der sozialen Fähigkeiten, Ergotherapie und Spracherziehung kann den Kindern das Leben erleichtert werden.


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