14.10.2011
Wenn Knochen schwindenOsteoporose – eine Volkskrankheit, an die am 20. Oktober erinnert wirdRund acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an Osteoporose. Jede vierte Person über 50 Jahre entwickelt eine Osteoporose und jede dritte Frau erlebt einen osteoporotischen Knochenbruch. „Dass Frauen häufiger von der Osteoporose betroffen sind als Männer, ist Folge des wechseljahresbedingten Mangels an weiblichem Sexualhormon, welches bis dahin den Knochen der Frau gut gegen Verlust schützte“, so Oberarzt Dr. Thomas Grieser von der Klinik für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie. Er betont anlässlich des Welt-Osteoporose-Tages, der am 20. Oktober an die Volkskrankheit erinnert: „Die Osteoporose ist jedoch keineswegs eine „Frauenkrankheit“, immerhin haben etwa 1,2 Millionen Männer in Deutschland eine Osteoporose.“
Da der Knochenschwund – mit wenigen Ausnahmen – zunächst schmerzlos verläuft, wird die Osteoporose meist nicht bemerkt. Kommt es dann aber z.B. nach kleinen Unfällen zu Knochenbrüchen an der Wirbelsäule, am Schenkelhals oder am Unterarm, tritt die Osteoporose offen zu Tage. Mit dem Auftreten von Brüchen ist die Osteoporose aber bereits in ihr fortgeschrittenes Stadium eingetreten. Diese Knochenbrüche sind mit einer vorübergehenden oder dauernden Beeinträchtigung der Lebensqualität sowie mit schmerzbedingtem Verlust an Lebensfreude und körperlicher Aktivität verbunden. Außerdem erhöhen bereits eingetretene Wirbelbrüche das Risiko weiterer Brüche um ein Vielfaches. Und leider bedingen die Folgen osteoporotischer Brüche auch ein erhöhtes Sterberisiko infolge der reduzierten Beweglichkeit (Lungenentzündung, Thrombose, Lungenembolie, allg. erhöhtes Infektionsrisiko).
„Deswegen stehen Früherkennung und Vorbeugung der Osteoporose an erster Stelle“, betont Dr. Grieser. Es gibt eine Reihe gut bekannter Risikofaktoren für die Osteoporose, die eine niedrige Knochenmasse bedingen bzw. den Knochenschwund beschleunigen. Dazu gehören eine familiäre Vorgeschichte, Untergewicht, Fehlernährung, mangelnde Bewegung, frühzeitiger Eintritt der Wechseljahre, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Medikamente (v.a. Langzeitkortisontherapie, Antiepileptika, Heparin und Marcumar), knochenschädigende Krankheiten (Schilddrüsenüberfunktion, chronisch Nierenerkrankung, chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Morbus Crohn und Gelenkrheuma).
In der Osteoporose-Diagnostik am Klinikum Augsburg spielt die Knochendichtemessung eine große Rolle, da sich anhand der individuellen Knochendichte das Frakturrisiko abschätzen lässt. Es gibt zwar eine große Vielzahl entsprechender Messgeräte, allerdings favorisieren die deutschen Leitlinien eindeutig das so genannte DXA-Verfahren. Während bei herkömmlichen digitalen Röntgenverfahren lediglich eine Röntgenquelle eingesetzt wird, setzt das Dual-Röntgen-Absorptiometrie-Verfahren (engl. DXA) gleichzeitig zwei energetisch leicht unterschiedliche Röntgenquellen ein. Das Verfahren ist schmerzlos und besitzt eine extrem niedrige Strahlenbelastung. Anhand des Messwertes kann der Arzt erläutern, ob eine Osteoporose vorliegt und ob eine Behandlung erforderlich ist. Die Kernspintomographie kann zur Unterscheidung frischer und alter Wirbelbrüche sowie beim Verdacht auf eine bösartige Knochenerkrankung helfen. Laboruntersuchungen dienen dem Arzt vor allem dazu, andere Ursachen für eine Osteoporose zu identifizieren.
„Die medikamentöse Behandlung der Osteoporose ist stufenmäßig aufgebaut, kann aber wegen moderner und hocheffektiver Medikamente auch sehr teuer sein“, erklärt Dr. Thomas Grieser. Nicht jedes Präparat ist für jeden Patienten gleichermaßen geeignet, auch hier entscheidet ein Arzt. Falls keine ärztlichen Einwände bestehen, sollte auf eine Calcium- (Milch und Milchprodukte) und Vitamin-D-reiche Ernährung (Meeresfisch) geachtet werden. Gymnastik und eine angepasste sportliche Betätigung dienen der Aufrechterhaltung der Mobilität und schaffen Gang- und Trittsicherheit. „Stolpersteine“ im häuslichen Bereich sollten entschärft werden.
Sollte es trotzdem zu Wirbelbrüchen gekommen sein, so haben Schmerzbekämpfung und Wiederherstellung der Beweglichkeit oberste Priorität. Wirksame Schmerzmittel müssen zum Einsatz kommen, um eine akzeptable Schmerzlinderung zu erzeugen. Wenn die medikamentöse Schmerztherapie nicht ausreicht oder versagt, können Eingriffe erwogen werden, bei denen künstlicher Knochenzement in die gebrochenen Wirbel eingespritzt wird. Dies führt zu einer sofortigen deutlichen Schmerzminderung, die lang anhaltend ist. Beratung durch Ärztinnen und Ärzte und Handeln der Patientinnen und Patienten können Knochenbrüche durch Osteoporose vermeiden oder zumindest verzögern.
Im November widmet sich das Klinik-TV (YouTube-Channel www.youtube.com/klinikumwebmaster) sowie auf a.tv, dem regionalen Fernsehsender für Augsburg und Schwaben, ausgestrahlt wird, der Klinik für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie und ihrem Behandlungsspektrum. |